Nachhaltig hergestellte Kleidung galt lange Zeit als unsexy. In der Anfangszeit der Öko-Bewegung in den 1980er-Jahren dachte man bei Bio-Kleidung an die sprichwörtlichen Jutebeutel. Im Bewusstsein der Allgemeinheit war fair gehandelte und nachhaltig produzierte Kleidung irgendwie unmodisch. Das hat sich gründlich geändert. Seit Anfang des 21. Jahrhunderts sind Fairtrade, Bio-Kleidung und auch vegane Kleidung zu einem Trend in der Fashion-Szene geworden. Es sind viele kleine Labels entstanden, die sich auf Kleidung ohne Ausbeutung spezialisiert haben und auch große Labels und sogar Handelsketten haben nachhaltige Kleidung für sich entdeckt.


Modetrends, die sich in immer schnelleren Zyklen abwechseln, führen dazu, dass Händler große Mengen von Kleidung zu günstigen Preisen absetzen. Um diese Preise halten zu können, sparen sie, wo es nur geht. Schon die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter im Textil-Einzelhandel in Deutschland sind nicht die besten. In Europa müssen sich die Unternehmen allerdings an gewisse arbeitsrechtliche Mindeststandards halten. Große Unternehmen haben aber die Möglichkeit, Druck auf Zulieferer auszuüben. Das führt dazu, dass in vielen Ländern der sogenannten Dritten Welt Menschen unter unwürdigen Bedingungen in der Textilindustrie schuften müssen. Und als ob Ausbeutung nicht schon schlimm genug wäre, werden bei der Kleidungsherstellung Unmengen von giftigen Chemikalien eingesetzt. Das fängt beim Anbau von Baumwolle mit Pestiziden an und setzt sich bei der Weiterverarbeitung mit schädlichen Farbstoffen, Bleichmittel und allerhand Imprägnierungen und Beschichtungen fort. Diese Gifte geraten nicht nur in den Herstellerländern in die Umwelt, sondern Rückstände davon lassen sich auch in der Kleidung finden, die es bei uns zu kaufen gibt.


Erzeuger von Fairtrade Kleidung bekommen Mindestpreise für ihre Produkte, die über dem Marktniveau liegen. Dafür verpflichten sie sich allerdings, gewisse Standards bei den Produktionsbedingungen einzuhalten. Die Einhaltung dieser Qualitäts-, Umwelt- und Sozialstandards wird streng überwacht. Das Augenmerk liegt auch auf der Etablierung langfristiger Handelspartnerschaften, die es kleineren Produzenten ermöglichen, trotz des Drucks der Großunternehmen auf dem Weltmarkt zu bestehen. Nur wenn alle Voraussetzungen auf allen Stufen der Produktionskette erfüllt werden, darf ein Produkt das Fairtrade-Gütesiegel tragen, das sich mittlerweile als sozial-ökologische Qualitätsgarantie etabliert hat. Einen anderen, ergänzenden Ansatz verfolgt Bio-Kleidung, hier geht es nicht um soziale, sondern um ökologische Standards. Darum sind Fairtrade-Produkte auch nicht immer Bio und Bio-Produkte nicht immer fair gehandelt. Fairtrade-Organisationen unterstützen allerdings die Umstellung auf biologische Landwirtschaft bei teilnehmenden Betrieben. Veganismus schließlich bringt einen weiteren Aspekt in den Mix des verantwortungsbewussten Konsumierens mit ein: Vegane Kleidung wird ohne Produkte tierischen Ursprungs hergestellt.


Nachhaltige Kleidung setzt auch ein Umdenken der Konsumenten voraus und wird erst dadurch möglich: Es sind Konsumenten, denen es nicht mehr um möglichst viel zu einem möglichst geringen Preis geht. Statt dessen sind sie gegen Ausbeutung und dagegen, Chemikalien auf ihrem Körper zu tragen. Dafür sind sie auch bereit, einen etwas höheren Preis zu bezahlen. Denn ganz ehrlich: Die Vorstellung, etwas zu tragen, dass unter dem Einsatz von Kinderarbeit und umweltschädigenden Chemikalien entstanden ist, ist auch nicht gerade sexy.